Toolbox für Forschende

Hier stellen wir Forschenden aller Fakultäten und Einrichtungen zentrale Informationen und nützliche Tools zur Verfügung, welche die Umsetzung der 3R Prinzipien erleichtern. Die Toolbox hat das Ziel, Wissenschaftler/innen, die tierexperimentell tätig sind, dabei zu unterstützen, alternative Methoden zu Tierversuchen zu finden, den Einsatz von Versuchstieren zu reduzieren, das Wohlbefinden der Tiere zu verbessern und zugleich die Qualität der biomedizinischen Forschung zu erhöhen. Zu diesem Zweck stellt sie vielfältige Informationsquellen bereit, darunter Links zu Datenbanken, Tools und Publikationen. Diese Tools unterstützen bei der Implementierung der 3R-Prinzipien in Planung und Durchführung verantwortungsvoller Forschung.

Das klassische 3R- Prinzip der biomedizinischen Forschung wird in der aktuellen wissenschaftlichen Dissukusion zu einem erweiternden 6R-Prinzip ausgebaut. Bezugnehmend auf das 6R-Modell des BIH QUEST Center (Positionspapier Strech & Dirnagl, 2019 ) finden Sie im Folgenden auch Erläuterungen zu den Prinzipien Robustness (Robustheit), Registration (Regisitrierung) and Reporting (Berichterstattung). Diese Maßnahmen tragen wesentlich zur Qualität, Transparenz und Reproduzierbarkeit wissenschaftlicher Forschung bei.


Ein wesentlicher Beitrag zur signifikanten Reduktion von Versuchstieren ist eine sorgfältig geplante Versuchstierplanung. Dies umfasst insbesondere auch die Planung der Zucht. Im weiteren Verlauf werden nützliche Links bereitgestellt.

New Approach Methodologies (NAMs), auf Deutsch Neue Alternativmethoden, bezeichnen tierversuchsfreie Methoden, die darauf abzielen, Tierversuche in der Forschung und Sicherheitsbewertung zu ersetzen, zu reduzieren oder zu verfeinern. Diese modernen Ansätze sollen die Sicherheit von chemischen Stoffen, Arzneimitteln und Produkten für Mensch und Umwelt gewährleisten, ohne dabei Tiere zu belasten. Zu den NAMs zählen unter anderem computergestützte Simulationen (in silico), chemische Testverfahren (in chemico), zellbasierte Systeme (in vitro) sowie ex vivo-Methoden, bei denen Gewebe oder Zellen außerhalb eines Organismus untersucht werden. Durch die Anwendung solcher Technologien wird das Ziel verfolgt, wissenschaftlich fundierte und zuverlässige Daten zu gewinnen, während gleichzeitig das Tierleid minimiert und der Einsatz von Versuchstieren langfristig überflüssig gemacht wird. Limitierung: Stellungnahme der Ständigen Senatskommission zu NAMs 2023 Weitere Informationen zur Implementierung von 6R (3R plus Robustness, Registration, Reporting) in der Organmodellforschung finden sie hier.   Unsere 3R Technologieplattform  für konkrete Methoden am Standort Erlangen.

Durch das Refinement soll die Belastung von Versuchstieren so weit wie möglich reduziert werden. Außerdem zielt die Refinement-Forschung darauf ab, Belastungen besser zu erkennen. Forschende entwickeln Methoden und Ansätze, um die Versuche für die Tiere so schonend wie möglich zu gestalten. Um die Belastung der Tiere objektivierbar und bewertbar zu machen, arbeiten Wissenschaftler/innen zudem an standardisierten Indikatoren zur Einschätzung der Belastung

Statistisch robust gestaltete Versuchspläne sind Voraussetzung für Zuverlässigkeit und Sicherung der wissenschaftlichen Qualität von Tierversuchen. Der Begriff Robustheit ist eng mit der ethischen Vertretbarkeit von Tierversuchen verknüpft und erfordert, dass die Versuche so konzipiert sind, dass ihre Ergebnisse aussagekräftig und reproduzierbar sind.

Warum Robustheit wichtig ist:
  • Wissenschaftliche Qualität: Robustheit gewährleistet, dass ein Versuch wissenschaftlichen Standards entspricht und die Ergebnisse verlässlich sind.
  • Ethische Rechtfertigung: Tierversuche sind nur ethisch vertretbar, wenn sie notwendig und wissenschaftlich fundiert sind. Mangelnde Robustheit untergräbt diesen Anspruch.
  • Vermeidung von Streuversuchen: Wenn Versuche schlecht konzipiert sind, können die Tiere unnötigem Leid ausgesetzt sein, ohne dass verwertbare Ergebnisse erzielt werde

Jedes Tierversuchsvorhaben muss vor der Durchführung bei der zuständigen Behörde angemeldet oder genehmigt werden. Siehe: Deutsches Zentrum zum Schutz von Versuchstieren (Bf3R) Registrierung und Genehmigung von Tierversuchen

  • Gesetzliche Grundlage: In Deutschland regelt das Tierschutzgesetz die Genehmigung von Tierversuchen. Grundsätzlich sind Tierversuche genehmigungspflichtig, mit Ausnahmen für bestimmte, anzeigepflichtige Versuche.
  • Genehmigungsverfahren: Vor der Durchführung muss ein Antrag auf Genehmigung bei der zuständigen Behörde (z.B. beim Landesamt für Gesundheit und Soziales) gestellt werden.
  • Anzeigeverfahren: Unter bestimmten Voraussetzungen ist nur eine Anzeige erforderlich, die seit dem 01.12.2021 unter bestimmten Voraussetzungen auch als vereinfachtes Genehmigungsverfahren gelten kann.
  • Animal Study Registry: Seit 2019 gibt es ein bundesweites Register für Tierversuche, um Forschung transparent und nachvollziehbar zu machen, nach dem Vorbild von klinischen Studienregister

 „Reporting“ bei Tierversuchen bezieht sich auf die gesetzliche Pflicht zur jährlichen Meldung von Tierversuchen und den damit verbundenen Zahlen sowie auf Richtlinien zur Verbesserung der Berichterstattung über Forschung mit Tieren. In Deutschland müssen Tierversuche genehmigt werden, und es gibt eine jährliche Statistikpflicht, die vom Bundesministerium für Risikobewertung (BfR) veröffentlicht wird. Für eine höhere Transparenz werden zudem Richtlinien wie die ARRIVE Guidelines empfohlen, um Berichte über Tierversuche zu verbessern.

Meldepflicht und Statistik
  • Gesetzliche Grundlagen: Tierversuche sind in Deutschland streng geregelt durch das Tierschutzgesetz und die Versuchstiermeldeverordnung.
  • Jährliche Erfassung: Seit 2021 müssen die Zahlen der nicht verwendeten und getöteten Tiere jährlich gemeldet werden.
  • Veröffentlichung: Das BfR veröffentlicht diese Zahlen jährlich in Form von Statistiken, um die Transparenz zu erhöhen.
  • EU-Vergleich: Deutschland veröffentlicht diese Daten jährlich, während die EU dies nur alle fünf Jahre vorschreibt, was Deutschland eine Vorreiterrolle verschafft. 

Ein weiteres Bestreben dieser Leitlinie ist die Anerkennung der Veröffentlichung negativer Forschungsergebnisse:
Die Veröffentlichung negativer Forschungsergebnisse ist ein zentraler Bestandteil transparenter und reproduzierbarer Wissenschaft. Sie trägt dazu bei, Wiederholungsversuche zu vermeiden, Forschungsressourcen effizient einzusetzen und ein vollständiges Bild der wissenschaftlichen Erkenntnisse zu vermitteln. Durch die Berücksichtigung und Veröffentlichung auch nicht-erwarteter oder widersprüchlicher Ergebnisse wird die Objektivität und Glaubwürdigkeit der Forschung gestärkt. Zudem fördert sie den Wissensaustausch innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft und unterstützt die kontinuierliche Verbesserung von Forschungsdesigns und -methoden.